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(11.9.2002) Vor einem Jahr hat unserer Wald eine besondere Auszeichnung
erhalten. München zählt zu den noch sehr wenigen bundesdeutschen
Großstädten, die ihren Waldbesitz nach Naturland-Richtlinien
und den noch strengeren FSC-Richtlinien (Forest-Stewardship-Council)
zertifiziert haben. Ein Zertifikat, das höchste Anforderungen
an eine naturgemäße Waldwirtschaft stellt und von allen
Umweltverbänden mitgetragen wird.
Naturgemäße Waldwirtschaft
Seit 50 Jahren gelten nun schon in den vom städtischem Forstamt
betreuten Wäldern, die Grundsätze der naturgemäßen
Betreuung des Münchner Stadtwaldes. Die Vision, den Münchner
Forstbesitz in eine Art "Dauerwald" umzugestalten, war
damals zukunftsweisend. Nach dem Krieg stand die städtische
Forstverwaltung vor der Aufgabe, den Wasserschutzwald im Mangfalltal,
in dem mehr als 80 Prozent des Münchner Trinkwassers gewonnen
werden, nachhaltig zu bewirtschaften. Das bedeutete damals - leider
gilt das auch noch heutzutage in vielen bayerischen Wäldern
- einen radikalen Bruch mit den üblichen Regeln der Forstwirtschaft.
Die klassische Forstwirtschaft sieht den Wald nicht als lebendigen
Organismus, sondern als Ort des radikalen Kahlschlags. Oberstes
Ziel der ökologischen Waldnutzung dagegen ist ein stabiler
Waldaufbau aus standorttauglichen Baum- und Straucharten. So werden
Nadelreinbestände konsequent in standortheimische Laubmischwälder
umgewandelt, deren Nutzung ohne Kahlschlag einzelbaumweise erfolgt.
Auch ist der Einsatz von chemischen Schädlingsbekämpfungsmitteln
im Stadtwald seit Jahrzehnten verpönt. Mit dem Rohstoff Holz
nachhaltig zu wirtschaften, ist auch unter dem Aspekt des Klimaschutzes
geboten. Die Neuanlage von Waldflächen dient unmittelbar der
CO2 Bindung. Beim Wachstum von 1 Kubikmeter Holz wird eine Tonne
CO2 entzogen, davon werden 250 Kilogramm als Kohlenstoff im Holz
festgelegt und 750 Kilogramm als Sauerstoff freigesetzt - ein weiterer
Beweis für die Vielseitigkeit des grünen Schatzes der
Stadt.
Wald aus der Region - für die Region
Sorgfältig abgeräumte und entgraste Flächen, die
üblicherweise mit Fichten bepflanzt werden, die schnell zur
Dickung heranwachsen und bis zu ihrem kollektiven Ende nach rund
80 Jahren durchforstet werden, finden sich in den städtischen
Wäldern nicht.
In den Münchner Wäldern steht vom kleinsten Sämling
bis zum dicksten 100-jährigen Baum scheinbar alles durcheinander
und das erfreut nicht nur die zahlreichen Waldbesucher und Erholungssuchenden,
sondern bringt der Stadt auch wirtschaftlich gesehen Geld ein. Das
Kommunalreferat betreut mit seiner Forstverwaltung heutzutage 5.000
Hektar städtischen Wald inklusive der Stadtwerkswälder
im Mangfalltal. Damit ist die Stadt München zweitgrößter
kommunaler Waldbesitzer in Bayern. Verantwortung trägt die
Stadt auch dafür, das der umweltfreundlich produzierte Rohstoff
Holz verkauft wird. Und zwar in einer jährlich nachhaltig heranwachsenden
Menge von cirka 30.000 Festmetern möglichst hoher Qualität
- einzelbaumweise und kahlschlagsfrei - mit qualifiziertem Personal
und Unternehmern aus der Region.
Die Münchner Waldbilanz
Seit 1996 wurden 150.000 Kubikmeter oder 5000 LKW-Ladungen umweltfreundlich
produzierter Rohstoff Holz geerntet und vermarktet. Diese Nutzungsmenge
entspricht übrigens auch der heranwachsenden Menge. Die städtische
Forstverwaltung konnte diese nachhaltige Waldpflege trotz der durch
die Stürme "Lothar" und "Hartmut" verursachten
Probleme europaweiter Holzmarktübersättigung und den damit
verbunden Preiseinbrüchen und Einnahmeverlusten weiterführen.
Der städtische Forstbetrieb mit seinen sieben Förstern
und dreizehn Waldarbeitern belastet den städtischen Haushalt
nicht. Auch die Erstzertifizierung kostet zwar cirka zwei Mark pro
Hektar Wald, wird aber durch den Vermarktungsgewinn unserer Waldprodukte
wieder ausgeglichen.
Der Riemer Wald - Münchens jüngster
Forst
Besonders wertvoll ist unser Wald als Erlebniswelt und Erholungsraum
für alle Bürger dieses Ballungsraumes. Der Riemer Wald
- ein echter Wald und kein Park - bietet hierfür ein gutes
Beispiel:
Als ökologische Ausgleichsfläche wurde der Riemer Wald
Anfang 1995 in zwei Pflanzabschnitten auf dem ehemaligen Flugplatzgelände
verwirklicht. Nach eingehender Bodenuntersuchung pflanzte die Forstverwaltung
auf den insgesamt
15 Hektar Erstaufforstungsfläche standortheimischen Wald davon:
· 8,5 Hektar Eichen-Hainbuchen-Linden-Wald
· 4,4 Hektar Eichen-Kiefern-Wald
· 2,1 Hektar Waldränder mit 20 verschiedenen Baum- und
Straucharten
Um die zwei- bis dreijährigen und cirka 50-80 cm großen
Setzlinge gegen Hitze, Frost und austrocknenden Wind zu schützen,
wurden schnellhochwachsende Birken als robuste Pioniergehölze
und als Schutzschirm dazwischen gepflanzt.
Die knapp 100.000 Jungpflanzen haben seither vielen Gefahren getrotzt,
um sich gegen Graskonkurrenz, Mäuse, Insekten und sogar eingebrochene
Schafe zu behaupten. Das Blütenmeer entlang der Waldränder
ist im Frühjahr eine üppige Bienenweide, die beerentragenden
Sträucher gegenwärtig eine reichhaltige Nahrung für
zahlreiche Vogelarten. Hase, Rebhuhn, Fasan und Fuchs finden Unterschlupf
in den vielgestaltigen Waldstrukturen. Wanderwege schlängeln
sich jetzt schon, gesäumt von bunten Magerrasenstreifen, durch
die abwechslungsreichen Waldparzellen und werden später Erholungssuchenden
aus den umliegenden Wohnbereichen Naturerlebnis und Entspannung
ermöglichen.
In diesem Sinne hoffe ich, dass sich viele Münchnerinnen und
Münchner bei einem ihrer nächsten Waldspaziergänge
vor Ort informieren können.
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