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Der Riemer Wald - ein neues Beispiel Münchner Forstkultur
Von Gabriele Friderich, Kommunalreferentin

 

(11.9.2002) Vor einem Jahr hat unserer Wald eine besondere Auszeichnung erhalten. München zählt zu den noch sehr wenigen bundesdeutschen Großstädten, die ihren Waldbesitz nach Naturland-Richtlinien und den noch strengeren FSC-Richtlinien (Forest-Stewardship-Council) zertifiziert haben. Ein Zertifikat, das höchste Anforderungen an eine naturgemäße Waldwirtschaft stellt und von allen Umweltverbänden mitgetragen wird.

Naturgemäße Waldwirtschaft
Seit 50 Jahren gelten nun schon in den vom städtischem Forstamt betreuten Wäldern, die Grundsätze der naturgemäßen Betreuung des Münchner Stadtwaldes. Die Vision, den Münchner Forstbesitz in eine Art "Dauerwald" umzugestalten, war damals zukunftsweisend. Nach dem Krieg stand die städtische Forstverwaltung vor der Aufgabe, den Wasserschutzwald im Mangfalltal, in dem mehr als 80 Prozent des Münchner Trinkwassers gewonnen werden, nachhaltig zu bewirtschaften. Das bedeutete damals - leider gilt das auch noch heutzutage in vielen bayerischen Wäldern - einen radikalen Bruch mit den üblichen Regeln der Forstwirtschaft. Die klassische Forstwirtschaft sieht den Wald nicht als lebendigen Organismus, sondern als Ort des radikalen Kahlschlags. Oberstes Ziel der ökologischen Waldnutzung dagegen ist ein stabiler Waldaufbau aus standorttauglichen Baum- und Straucharten. So werden Nadelreinbestände konsequent in standortheimische Laubmischwälder umgewandelt, deren Nutzung ohne Kahlschlag einzelbaumweise erfolgt. Auch ist der Einsatz von chemischen Schädlingsbekämpfungsmitteln im Stadtwald seit Jahrzehnten verpönt. Mit dem Rohstoff Holz nachhaltig zu wirtschaften, ist auch unter dem Aspekt des Klimaschutzes geboten. Die Neuanlage von Waldflächen dient unmittelbar der CO2 Bindung. Beim Wachstum von 1 Kubikmeter Holz wird eine Tonne CO2 entzogen, davon werden 250 Kilogramm als Kohlenstoff im Holz festgelegt und 750 Kilogramm als Sauerstoff freigesetzt - ein weiterer Beweis für die Vielseitigkeit des grünen Schatzes der Stadt.

Wald aus der Region - für die Region
Sorgfältig abgeräumte und entgraste Flächen, die üblicherweise mit Fichten bepflanzt werden, die schnell zur Dickung heranwachsen und bis zu ihrem kollektiven Ende nach rund 80 Jahren durchforstet werden, finden sich in den städtischen Wäldern nicht.
In den Münchner Wäldern steht vom kleinsten Sämling bis zum dicksten 100-jährigen Baum scheinbar alles durcheinander und das erfreut nicht nur die zahlreichen Waldbesucher und Erholungssuchenden, sondern bringt der Stadt auch wirtschaftlich gesehen Geld ein. Das Kommunalreferat betreut mit seiner Forstverwaltung heutzutage 5.000 Hektar städtischen Wald inklusive der Stadtwerkswälder im Mangfalltal. Damit ist die Stadt München zweitgrößter kommunaler Waldbesitzer in Bayern. Verantwortung trägt die Stadt auch dafür, das der umweltfreundlich produzierte Rohstoff Holz verkauft wird. Und zwar in einer jährlich nachhaltig heranwachsenden Menge von cirka 30.000 Festmetern möglichst hoher Qualität - einzelbaumweise und kahlschlagsfrei - mit qualifiziertem Personal und Unternehmern aus der Region.

Die Münchner Waldbilanz
Seit 1996 wurden 150.000 Kubikmeter oder 5000 LKW-Ladungen umweltfreundlich produzierter Rohstoff Holz geerntet und vermarktet. Diese Nutzungsmenge entspricht übrigens auch der heranwachsenden Menge. Die städtische Forstverwaltung konnte diese nachhaltige Waldpflege trotz der durch die Stürme "Lothar" und "Hartmut" verursachten Probleme europaweiter Holzmarktübersättigung und den damit verbunden Preiseinbrüchen und Einnahmeverlusten weiterführen. Der städtische Forstbetrieb mit seinen sieben Förstern und dreizehn Waldarbeitern belastet den städtischen Haushalt nicht. Auch die Erstzertifizierung kostet zwar cirka zwei Mark pro Hektar Wald, wird aber durch den Vermarktungsgewinn unserer Waldprodukte wieder ausgeglichen.

Der Riemer Wald - Münchens jüngster Forst
Besonders wertvoll ist unser Wald als Erlebniswelt und Erholungsraum für alle Bürger dieses Ballungsraumes. Der Riemer Wald - ein echter Wald und kein Park - bietet hierfür ein gutes Beispiel:
Als ökologische Ausgleichsfläche wurde der Riemer Wald Anfang 1995 in zwei Pflanzabschnitten auf dem ehemaligen Flugplatzgelände verwirklicht. Nach eingehender Bodenuntersuchung pflanzte die Forstverwaltung auf den insgesamt

15 Hektar Erstaufforstungsfläche standortheimischen Wald davon:
· 8,5 Hektar Eichen-Hainbuchen-Linden-Wald
· 4,4 Hektar Eichen-Kiefern-Wald
· 2,1 Hektar Waldränder mit 20 verschiedenen Baum- und Straucharten

Um die zwei- bis dreijährigen und cirka 50-80 cm großen Setzlinge gegen Hitze, Frost und austrocknenden Wind zu schützen, wurden schnellhochwachsende Birken als robuste Pioniergehölze und als Schutzschirm dazwischen gepflanzt.
Die knapp 100.000 Jungpflanzen haben seither vielen Gefahren getrotzt, um sich gegen Graskonkurrenz, Mäuse, Insekten und sogar eingebrochene Schafe zu behaupten. Das Blütenmeer entlang der Waldränder ist im Frühjahr eine üppige Bienenweide, die beerentragenden Sträucher gegenwärtig eine reichhaltige Nahrung für zahlreiche Vogelarten. Hase, Rebhuhn, Fasan und Fuchs finden Unterschlupf in den vielgestaltigen Waldstrukturen. Wanderwege schlängeln sich jetzt schon, gesäumt von bunten Magerrasenstreifen, durch die abwechslungsreichen Waldparzellen und werden später Erholungssuchenden aus den umliegenden Wohnbereichen Naturerlebnis und Entspannung ermöglichen.

In diesem Sinne hoffe ich, dass sich viele Münchnerinnen und Münchner bei einem ihrer nächsten Waldspaziergänge vor Ort informieren können.

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