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Kleine Stadtgeschichte des alten Riem
Vom Tower des alten Flughafens geht der Blick
weit über die flache Landschaft. Nur im Westen ist er von der
Silhouette Münchens, im Süden von der Alpenkette begrenzt.
Acht Dörfer sind rund um den Tower in der weiten Ebene zu erkennen:
im Nordwesten das alte Dorf Riem, das der Messestadt den Namen gibt,
nordöstlich davon Dornach, im Osten Salmdorf und Ottendichl,
im Südosten Gronsdorf, dahinter die Gemeinde Haar. Im Süden
erkennt man Waldtrudering, im Südwesten Kirch- und Straßtrudering.
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Alle diese Dörfer
entstanden vor über 1000 Jahren; Funde lassen darauf schließen,
dass bereits in vorgeschichtlicher Zeit Menschen hier gewohnt haben.
Der Bauer Truchtharo (daher Trudering) hatte sich mit seiner Sippe
vermutlich schon um 500 hier niedergelassen. Riem wird erstmals 788
erwähnt. Die Münchner Stadtgeschichte beginnt erst über
400 Jahre später, nämlich 1158. Die Bewohner des alten Riem
waren über Jahrhunderte hinweg unfreie Bauern; die Grundherrschaft
lag bei Kirchen, Klöstern und Adeligen. Mitte des 19. Jahrhunderts
wurden die befreiten Bauern zu Landeigentümern. Die Flurbereinigung
von 1856 machte aus den vielen kleinen Ackerstreifen jene Fluren und
Gehölze, deren Umrisse noch heute erkennbar sind - sie erscheinen
wieder in den Strukturen des neuen Landschaftsparks rund um die Messestadt.
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Kurze Geschichte
des Flughafens Riem |
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"Denke ich an den
Flughafen Riem, so scheint er einer fernen Vergangenheit anzugehören.
In meiner kindlichen Vorstellung gehörte er zu jenem Zauberreich
ferner Länder, aus welchem die silbernen Vögel eintrafen.
Ort der Siebenmeilenstiefel. Ort der fliegenden Teppiche."
Piero Steinle, bekannter Münchner Künstler, Sommer 2000
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Münchens ältester
Flughafen war das Oberwiesenfeld - dort, wo jetzt der Olympiapark
liegt. Mitte der 30er Jahre wurde er für München zu klein,
und Hitlers "Hauptstadt der Bewegung" erzwang von den Riemer
Bauern die Abtretung ihres Ackerlandes. Zum "Dank" wurde
ihr Dorf der Stadt München einverleibt.
Nach zweijähriger Bauzeit landete am 25.10.1939 die erste Verkehrsmaschine
aus Berlin in Riem. Während der Kriegsjahre war der Flugbetrieb
möglich, auch als 1.000 Bomben den Flughafen zu 80% zerstörten.
Stahlmatten auf den Graspisten ermöglichten den An- und Abflug
schwerer Transportflugzeuge.
Unter Kontrolle der amerikanischen Zivilluftfahrtsbehörde wurde
München-Riem 1945 der erste deutsche Flughafen, der dem zivilen
Luftverkehr nach dem Krieg wieder vollständig zur Verfügung
stand. 1989 wurden die Start- und Landebahnen für Düsenflugzeuge
auf 2.600 m ausgebaut, das Passagieraufkommen überschritt die
10-Millionen-Grenze. Der Flughafen platzte aus allen Nähten.
Die Nähe der Stadt hatte den Flugbetrieb schon in den 50er Jahren
(Absturz einer Militärmaschine 1960 bei der St.-Paulskirche)
zum Sicherheitsrisiko gemacht. Der Entschluß zum Bau des Flughafens
München II war überfällig. Umstritten blieb nur lange
Zeit die Standortfrage, denn niemand wollte diese "Negativeinrichtung"
in seiner Nähe haben. Gut 10 Jahre dauerte die Auseinandersetzung,
ehe der Bau am Alternativstandort Erdinger Moos eingeweiht werden
konnte. |
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Ein Flughafen wird
abgewickelt |
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"Heute kommt es mir
vor, als wäre mit der Epoche des Flughafens Riem auch eine historische
Epoche zu Ende gegangen: jene Zeit, die noch den Pionieren der Neuzeit
wie z.B. Saint-Exupéry verpflichtet war, die geprägt war
von der Erinnerung an den zweiten Weltkrieg, die das Wirtschaftswunder
und technischen Fortschritt als Heilsbotschaften verkündete."
Piero Steinle, Sommer 2000 |
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Der Flughafenbetrieb
in Riem wird am 17. Mai 1992 eingestellt. Es kommt zum größten
Umzug aller Zeiten. Eine Nacht- und Nebelaktion. Eine Meisterleistung
der Logistik. Keine Unterbrechung des Flugbetriebs: Bis zum Abend
Flugbetrieb in Riem, am nächsten Morgen starten die ersten Flieger
in den Himmel über dem Erdinger Moos.
Aus Alt mach Neu - von Anfang an ökologisch. Der gesamte Bauschutt
des Flughafens, die alte Rollbahn, die Abfertigungs- und Wartungshallen,
eine Masse von 1,4 Millionen m³, wurde sortiert, aufbereitet
und wieder verwendet. Ergebnis: Der alte Flughafen hat sich in die
Anschüttungen und Straßen der neuen Messestadt verwandelt.
Nur was gar nicht mehr zu gebrauchen war, liegt heute sicher verschüttet
in nahen Kiesgruben. Im Westen des Geländes blieb die alte Besuchertribüne
erhalten und ist nun Teil eines Biotops. Mit ausreichender Phantasie
läßt sich heute erahnen, wie hier die ersten Transatlantik-Clipper
landeten. Welch eine Sensation, als die erste Boeing 707 vor der Besuchertribüne
steil in den Himmel donnerte! |
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Das Eldorado der
Jugend: Der Kunstpark |
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Nach dem Umzug standen
die großen Hallen leer. Auf den riesigen Freiflächen fanden
dann seit 1992 die größten Flohmärkte Münchens
statt. Und es entstand der Kunstpark Riem. In den leer stehenden Gebäuden,
vor allem im Terminal 1, toste das Leben der Jugend. Wer nun Riem
sagte, der meinte Clubs, heiße Musik und schlaflose Nächte
im größten Vergnügungspark Europas. Damit war im September
1996 Schluss, weil die Bagger für erste Baumaßnahmen anrückten
und die Geschichte des neuen Riem eröffneten.
Doch das Feiern nahm kein Ende. Jetzt öffnete Europas größtes
Kultur- und Veranstaltungszentrum, der "Kunstpark Ost" am Münchner
Ostbahnhof, seine Tore und präsentierte sich in einer Vielfalt,
die es bis dahin in dieser Form nicht gegeben hatte. |
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Eine Messe-Stadt
wird geboren |
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Im Oktober 1993 wurden die Weichen für die Messestadt gestellt.
Die MRG (Maßnahmeträger-Riem-Gesellschaft) erhielt den
Auftrag der Stadt, die Entwicklung des gesamten Stadtteils zu realisieren.
Die Arbeit der MRG war von Anfang an so effizient, dass Riem seit
1995 auf internationalen Fachkonferenzen als "besonders erfolgreiches
Modell der Stadtentwicklung" gelobt wurde. Habitat II in Istanbul
1996 nannte Riem ein "Beispiel für Stadtentwicklung, die Ressourcen
schont und die Umwelt schützt".
1998 brachte Riem viele wichtige Ereignisse. Am 12. Februar wurde
das neue Messegelände eingeweiht. Im September begann der Verkauf
der Grundstücke. Am 9. Oktober eröffnete das Internationale
Congress Center München (ICM). Gegen Ende des Jahres zogen
die ersten Einwohner in die Messestadt ein. Seit 29. Mai 1999 fährt
die U-Bahn.
Von da ab geht es Schlag auf Schlag. In einem unablässigen
Strom ziehen nun immer mehr Menschen - zur Zeit: 1500 - in die Stadt
und erfüllen sie mit Leben!
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