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(25.6.2003) Für die Umwelt gehen die SWM jetzt auch in die Tiefe:
Vom Leitstand des rund 37 Meter hohen Bohrturms aus hat Stephan Schwarz,
Geschäftsführer Versorgung, die imposante Maschine persönlich
in Bewegung gesetzt, die sich von nun an pro Tag bis zu 50 Meter weit
in das Erdreich graben wird. Etwa 2.700 bis 2.900 Meter unter der
Stadt liegt das Ziel, ein riesiges Heißwasservorkommen. Mit
dieser natürlichen Wärme werden die SWM schon ab Herbst
kommenden Jahres die Messestadt Riem komfortabel beheizen - und damit
sogar rund 12.000 Tonnen Kohlendioxid jährlich einsparen. Die
Erschließung der neuen Energiequelle "Erdwärme"
für München ist ein weiterer Baustein der nachhaltigen SWM-Energiepolitik.
Als das kommunale Versorgungsunternehmen Münchens setzen die
SWM seit jeher auf eine umwelt- und ressourcenschonende Energieerzeugung.
Riem: Beste Voraussetzungen für Geothermie
Die Messestadt Riem wird in allen Aspekten nach ökologischen
Kriterien geplant und gebaut. Deshalb war für die Wärmeversorgung
ursprünglich ein Nahwärmenetz mit einem erdgasbefeuerten
Blockheizkraftwerk vorgesehen.
Als Alternative dazu haben die SWM auch die Nutzung von Erdwärme
untersucht. Und das Ergebnis fiel durchweg positiv aus. Für
die Nutzung von Erdwärme zur Wohnungsbeheizung eines ganzen
Stadtteils bietet Riem ideale Voraussetzungen: In rund 2.800 Metern
Tiefe befindet sich ein riesiges Thermalwasser-Vorkommen. Das heiße
Wasser lagert in einer zerklüfteten Kalksteinschicht, dem sogenannten
Malmkarst. Dieser sinkt von der Fränkischen Alb in Richtung
Süden bis zum Alpenrand immer weiter ab und weist dabei steigende
Temperaturen auf. Hat das Wasser bei Straubing noch 38 Grad, so
ist es unter der Messestadt bereits 80 Grad Celsius warm. Um diese
natürliche Wärmequelle zu nutzen, wird das Wasser an die
Oberfläche geholt. Weiterer Vorteil des Malm-Kalksteins: Durch
die Hohlräume fließt das Wasser relativ gut, so dass
mit einem einzigen Bohrloch eine große Wassermenge gefördert
werden kann. In der Geothermie-Anlage wird ausschließlich
der Energieinhalt des Thermalwassers genutzt und über Wärmetauscher
an das Wärmenetz Riem abgegeben. Um den Wasserhaushalt in der
Tiefe nicht zu beeinträchtigen, wird das abgekühlte, aber
ansonsten nicht veränderte Tiefen-Wasser wieder in den Malmkarst
zurückgeleitet.
Bereits mit Baubeginn der ersten Gebäude in der Messestadt
haben die SWM das Nahwärmenetz errichtet und seitdem laufend
ausgebaut. Dieses wird bisher von einem Heizwerk mit erdgasbefeuerten
Heizkesseln gespeist. Voraussichtlich ab 2004 dienen die Heizkessel
jedoch nur noch als Reserve und für den Spitzenbedarf. Die
Grundlast der Wärmeversorgung übernimmt dann die Geothermie-Anlage.
Wenn die Messestadt im Jahr 2016 voll ausgebaut ist, wird die Erdwärme
über die Hälfte der benötigten Heizenergie liefern
- das entspricht einer Einsparung von rund 12.000 Tonnen des klimaschädlichen
Kohlendioxids im Vergleich zu einer herkömmlichen Wärmeerzeugung
mit Ölheizungen.
Mit modernster Technik in die Tiefe
Die Technik für die notwendigen Tiefenbohrungen stammt aus
dem Erdöl- und Erdgas-Abbau. Weithin sichtbares Zeichen: der
rund 37 Meter hohe Bohrturm. In ihm ist das Gestänge von miteinander
verschraubten Rohren angebracht. An dessen Spitze sitzt der diamantenbesetzte
Bohrkopf, der sich mit bis zu 50 Umdrehungen pro Minute durch das
Gestein fräst. Das zerkleinerte Gestein wird mittels einer
umweltfreundlichen Spülflüssigkeit, die aus Wasser und
darin gelöstem Carbonat besteht, aus dem Bohrloch gespült.
Diese hat mehrere Aufgaben. Sie wird durch das hohle Gestänge
nach unten gepumpt und kühlt den Bohrkopf. Zudem treibt sie
den Bohrkopf-Motor an. Beim Aufsteigen außen am Gestänge
stabilisiert die Flüssigkeit außerdem noch die Wände
des Bohrlochs.
Geothermische Dublette Riem
Zur Nutzung der Erdwärme sind zwei Bohrungen erforderlich.
Diese werden in circa 15 Metern Abstand voneinander erstellt. Sie
haben an der Oberfläche einen Durchmesser von 35 Zentimetern
und werden in der Tiefe enger; im Malmkarst beträgt der Durchmesser
noch rund zehn Zentimeter. Die erste Bohrung, durch die das heiße
Wasser gefördert wird, die sogenannte "Förderbohrung",
verläuft bis zur Tiefe von 1.900 Metern senkrecht. Die zweite,
durch die das abgekühlte Wasser wieder zurückgeleitet
wird, die "Reinjektionsbohrung", bis 630 Meter. Danach
"knicken" beide in entgegengesetzte Richtung um 42 Grad
ab, so dass sie im Malmkarst rund zwei Kilometer auseinander liegen.
Durch die abgelenkten Bohrungen können die Geothermie-Betriebsanlagen
auf engstem Raum zusammen gefasst werden und gleichzeitig wird verhindert,
dass abgekühltes Wasser erneut gefördert wird.
Der Wasserspiegel in der Förderbohrung wird sich auf etwa
250 Meter unter der Oberfläche einstellen. Das bedeutet, das
heiße Wasser steigt aus dem "Wärmereservoir"
aufgrund des Tiefendrucks von selbst fast 2.500 Meter weit nach
oben. Den verbleibenden Höhenunterschied überbrückt
die Bohrlochpumpe, die in 300 Metern Tiefe installiert wird. Auch
hier kommt Hightech aus der Erdölindustrie zum Einsatz, denn
von dieser Pumpe wird höchste Zuverlässigkeit bei geringer
Wartung verlangt.
Erdwärme bereits im kommenden Jahr "am Netz"
Bereits Ende 2002 haben die SWM die Wärmezentrale der Messestadt
mit zwei Heizkesseln in Betrieb genommen. Die SWM rechnen damit,
dass die Bohrungen für die Erdwärme im Herbst 2003 abgeschlossen
sind. Voraussichtlich Anfang kommenden Jahres werden die Anlagen
zur Erdwärmenutzung inklusive der drei Plattenwärmetauscher
installiert, so dass die Messestadt Riem erstmals in der Heizperiode
2004/2005 mit der umweltfreundlichen Wärme versorgt wird.
SWM-Energiemix sinnvoll erweitert
Versorgungssicherheit und Umweltverträglichkeit sind fundamentale
Grundsätze der Energiepolitik der Stadtwerke München.
So haben die SWM seit Jahren mit Millionen-Investitionen die regenerative
Energieerzeugung in und um München ausgebaut. Hierbei setzen
die SWM auf ein möglichst breites Spektrum der in der Natur
vorkommenden Energiequellen. Mit der Geothermie erweitern die SWM
ihren regenerativen Energiemix von Fotovoltaik, Wind- und Wasserkraft
sowie Deponiegas um einen weiteren Baustein. Ein innovatives und
umweltfreundliches Großprojekt für München.
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