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Nachhaltige Entwicklung ist eine
Herausforderung für jeden

WIN Kongress auf der BUGA 05
endet mit der "Münchner Erklärung"

 

(12.5.2005) Die nachhaltige Entwicklung in allen Lebensbereichen ist heute zu einer Überlebensnotwendigkeit geworden. Darauf müssen Gesellschaft, Politik und Wirtschaft reagieren. "Nachhaltige Entwicklung fordert uns alle heraus. Sie verlangt globale Gerechtigkeit heute und Verantwortung gegenüber den Menschen von morgen", so eine Kernthese der Münchner Erklärung. Mit dem Symposium "Perspektive Nachhaltiges Wirtschaften" initiierte die BUGA 05 mit dem Bayerischen Umweltministerium in München einen zweitägigen Innovationsgipfel für Nachhaltigkeit, der heute mit der Verabschiedung der so genannten Münchner Erklärung zu Ende gegangen ist. (Münchner Erklärung als Word-Datei, 90 KB.) Der Kongress Werte-Innovationen-Nachhaltigkeit, kurz WIN, befasste sich in sechs engagierten Workshops mit den Themen Reformmotoren, Medien, Kapitalmärkte, Werteorientierung, Bildung und Konsum. Der WIN Kongress wurde gemeinsam veranstaltet vom Bayerischen Umweltministerium, der Bundesgartenschau München 2005, der Landeshauptstadt München sowie dem Deutschen Naturschutzring mit Hubert Weinzierl (allesamt Verfasser der Münchner Erklärung) in Kooperation mit der Deutschen UNESCO-Kommission.
Das Leitbild nachhaltiger Entwicklung durchgängig zum neuen Lebens- und Wirtschaftsstil des 21. Jahrhunderts zu machen, dazu hat Bayerns Umweltminister Werner Schnappauf Bürger, Kommunen und Wirtschaft heute beim Abschlussplenum des Nachhaltigkeitskongresses auf der BUGA 05 aufgerufen. Schnappauf: "Die 'ex und hop'-Mentalität ist ebenso out wie die 'Geiz ist geil'-Philosophie." Der Minister verlangte verstärkte Anstrengungen von Unternehmen und Gemeinden bei der Entkoppelung von Wachstum und Flächenverbrauch. An die Bürger appellierte der Minister, ihre Nachfragemacht gezielt zu nutzen: "Vorfahrt für regionale Erzeugnisse, für Qualität und Langlebigkeit." Münchens Dritter Bürgermeister Hep Monatzeder würdigte das Engagement der BUGA . "Mit dem WIN-Kongress hat sich die BUGA einer großen Herausforderung gestellt." Monatzeder weiter: "Nur wenn die Vorfahren für die jetzige Generation gesorgt haben, ist ein Gewinn möglich. Dieses vorausschauende Denken ist ganz gewiss ein Baustein der Zukunftsfähigkeit einer Gesellschaft und muss wieder Mode werden. Jeder Einzelne sowie alle gesellschaftlichen Kräfte sind aufgefordert, ihr Handeln und damit ihren Konsumanspruch zu überdenken".

Die Ergebnisse der einzelnen Workshops:

Workshop Reformmotoren
Positive Visionen müssen für die Menschen formuliert werden, um die Reformmotoren im Sinne einer aktiven Bürgergesellschaft zu nutzen. In diese Bürgergesellschaft werden Menschen abgeholt und befähigt an den Prozessen teilzunehmen, daraus entsteht Nachhaltigkeit. Sechs Forderungen wurden aufgestellt: Diskussion und Kommunikation in den Medien; Mehrwert und Verantwortung für die Bürger; Empowerment (Gestaltungskompetenz) und Leadership (Führungskompetenz, Führungswille) im politischen Bereich. Werte und Ziele der Nachhaltigkeit müssen diskutiert werden. Gerechtigkeit heißt auch abgeben.

Workshop Medien
Es droht eine inflationäre Verwendung des Begriffs der Nachhaltigkeit. Wenn man das Thema Nachhaltigkeit vorantreiben will, muss es konkret überprüfbar und verständlich aufbereitet sein. Nur so bleibt die Glaubwürdigkeit erhalten. Wer Nachhaltigkeit für seine Aktionen und Unternehmensentwicklung in Anspruch nimmt, der muss sich auch an klaren Kriterien messen lassen. Das bedeutet z.B. für Unternehmen, dass sie nicht Nebentätigkeiten als Nachhaltigkeitsstrategie verkaufen können, sondern ihr Kerngeschäft auf Nachhaltigkeit hin überprüfen lassen müssen. Kein Gebrauch des Begriffs ohne konkreten Zusammenhang. Alle Akteure, die das Thema öffentlich machen wollen, sollten beachten: Die Qualität der Projekte muss hoch sein.

Workshop Kapitalmärkte
Ohne nachhaltige Investments ist die Zukunft nicht zu meistern. Kontroverse Ansichten bestanden hinsichtlich einer stärkeren Regulierung der Finanzmärkte sowie der Einführung international geltender Steuern und Gesetze. Es gilt Rahmenbedingungen zu schaffen, die nachhaltiges Wirtschaften von Unternehmen belohnen. Regionale und sektorale Komplementärwährungen werden derzeit in verschiedenen Ländern erprobt. Das Segment "nachhaltiges Investment" mit ihren Fonds und Indices wird als wichtiger Treiber und Hebel für nachhaltige Entwicklung gesehen, insbesondere im institutionellen Bereich. Die Einschätzung ist, dass dieses Segment weiterhin stark wachsen wird – derzeit rund 25% per anno. Gefordert wird auch ein hohes Maß an Transparenz seitens der jeweiligen Firmen bezüglich ihrer Nachhaltigkeitsorientierung. Andere europäische Staaten haben dazu erfolgreiche Vorbilder geliefert.

Workshop Werteorientierung
Werte müssen kommuniziert und gelehrt werden. Wissen über Werte aber auch Alltagswissen muss den derzeit lebenden Generationen grundlegend vermittelt werden. Die Umsetzung von Werten muss zweigleisig erfolgen – Leitsatz hierbei ist: Veränderungen dürfen nicht zu Lasten der Schwächsten gehen. Das gesellschaftliche System muss so optimiert werden, dass positives, ethisches Verhalten generiert und belohnt wird. Rahmenbedingungen sind entscheidend, um Menschen zu leiten; nicht nur individuelle ethische Entscheidungen als Maßstab, das überfordert Menschen. Die Gesellschaft kann kein vernünftiges Verhalten erwarten, wenn dies im System bestraft wird. Nachhaltigkeit und Werteorientierung bedeutet erweiterte Verantwortung. Geiz ist nicht geil.

Workshop Bildung
Bereich Schule/Hochschule
Chancen der aktuellen Umgestaltungsprozesse nutzen (Pisa-Studie, Bologna-Prozess). Auffassung vom Lernen und Lehren muss sich wandeln: Nicht der Trichter ist gefragt, sondern ein Lernen in Zusammenhängen. Notwendigkeit von Visionen über das, was erreicht werden soll und dass etwas erreicht werden kann. Fazit: Bildung für Nachhaltigkeit muss die Menschen persönlich ansprechen und an ihre Lebenssituation anknüpfen. Es gibt bislang viele Einzelaktivitäten, sie müssen aber besser vernetzt werden. Beispiel: Zwischen Schulen und Betrieben, zwischen den Hochschulen, den Fakultäten und der Erwachsenenbildung. Die UN-Dekade Bildung für nachhaltige Entwicklung bietet dafür gute Möglichkeiten.

Workshop Konsum
Die Braungartsche Forderung nach einem Umdenken in der Nachhaltigkeitspolitik – weg von dem Einspar-Diktat hin zu einem intelligenten Material- und Rohstoffeinsatz – fand wenig Widerspruch. Produktökologie – also Umwelt – ist Teil der Produktqualität, zu der auch entsprechende Arbeitsbedingungen gehören. Nachhaltiges Wirtschaften bedarf einer Bewusstseinsänderung bei allen Stakeholdern. Das heißt Selbstverantwortung der Industrie entsprechende Produkte bereitzustellen, sowie der Verantwortung der Verbraucher mehr auf Qualität und Wertschöpfung bei seiner Kaufentscheidung zu achten. Der Verbraucher ist verunsichert und bedarf nicht weiterer neuer Gütesiegel. Der Zusatznutzen vermeintlich nachhaltiger Produkte ist für den Verbraucher oft nicht erkennbar. Nachhaltiges Denken muss mit einem positiven Lebensgefühl vermittelt werden. Wertedenken und danach handeln sind für den Erfolg entscheidend – sowohl bei Unternehmen als auch bei den Verbrauchern. Diese Werte sind: Ehrlichkeit, gegenseitiges Vertrauen, Lebensfreude, Transparenz in den Informationen, keine Produktpiraterie.

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